Münster (SMS) Das Internationale Jazzfestival Münster, veranstaltet von der Stadt Münster gemeinsam mit dem WDR Köln und weiteren engagierten Förderern, feiert Jubiläum: Vom 7. bis 9. Januar 2005 geht die 20. Ausgabe des renommierten Jazzereignisses über die (Städtischen) Bühnen. Und Fritz Schmücker, der 2005 auch zwanzig Jahre als künstlerischer Leiter des Festivals in der Verantwortung steht, hat sich zu diesem Anlass Vielversprechendes ausgedacht.
Zwei Leitlinien bestimmen im Jubiläumsjahr sein Programmkonzept: Einladung von bekannten Musikerpersönlichkeiten, welche die bewegte Festivalgeschichte mit geprägt haben und Vorstellung von europäischen, hierzulande oft noch wenig bekannten Topmusikern, die teils mit Ensembles anreisen, die in Münster ihre Deutschland- oder sogar Weltpremiere feiern.
Blick zurück nach vorn: Musiker der ersten Festivalstunde
Wie es schon gute Tradition ist, steht kreative Musik aus Europa wieder im absoluten Zentrum des Festivalgeschehens. Und doch gehört zum Thema "Rückblick" auch ein amerikanischer Jazzheroe, der mit eindrucksvollen Konzerten - allesamt in unterschiedlichen Besetzungen - zu den Höhepunkten der Festival-Ausgaben eins, zwei, drei, neun und dreizehn gehörte: Bennie Wallace. Der Tenorsaxophonist - soeben in Berlin mit einem Coleman-Hawkins-Projekt gefeiert - reist mit einem neuen Quartett an, das er eigens für Münster zusammengestellt hat. Mit dabei: Donald Vega (Piano), Danton Boller (Bass) und sein ewiger Wegbegleiter Alvin Queen am Schlagzeug (Samstag, 8. Januar).
Auch ein Mann der ersten Festivalstunde ist der deutsche Pianist Joachim Kühn, der im Verlaufe der Festivalgeschichte ebenfalls in verschiedensten Zusammenstellungen Erfolge feierte. Sein Quintett ist speziell für Münster erdacht: eine deutsche Formation mit Rudi Mahall und dem Bassisten Dieter Ilg, dessen internationale Karriere 1989 begann, als er beim 9. Jazzfestival Münster spontan für den erkrankten US-Amerikaner Marc Johnson einsprang. Zu den Mitmusikern seines Debüts gehörte damals kein geringerer als Bennie Wallace.
Blick zurück nach vorn: Grande Finale von europäischen Jazzgrößen und süditalienischer Banda
Das Aushängeschild des holländischen Jazz, Willem Breuker, setzte mehrfach den krönenden Schlusspunkt in der münsterschen Festivalgeschichte, wiederholt mit einem der bekanntesten und ältesten Ensembles der gesamten Jazzwelt, dem Kollektief. Auch beim Jubiläum bestreitet er das Finale (Sonntag, 9. Januar), doch diesmal als Solist in einem Großprojekt, in dem er einer unter vielen Jazzgrößen ist und dessen musikalischer Ausgangspunkt in Süditalien liegt: "Banda and Jazz" - so lautet die Überschrift dieses musikalischen Großfeuerwerks, dessen Mittelpunkt ein aus der Nähe von Bari anreisendes traditionelles italienisches Blasorchester bildet, die vierzigköpfige "Banda Cittá Ruvo Di Puglia".
Der ebenfalls aus der kleinen Gemeinde Ruvo di Puglia stammende bekannte Jazztrompeter Pino Minafra (in Münster 1999 erfolgreich mit dem Italian Instabile Orchestra zu Gast) bringt das Orchester mit, das auf weitere Solisten trifft, die in der jüngeren Festivalgeschichte mit anderen Ensembles Highlights waren: Neben Minafra kommen Gianluigi Trovesi, Michel Godard, Lucilla Galeazzi, Antonello Salis und eben Willem Breuker. Schon diese Besetzungsliste, dazu der riesige Klangkörper - mit 45 Musikern ist es das größte internationale Ensemble, das jemals beim Festival zu Gast war - garantieren einen fulminanten Abschluss des Jubiläumsfestivals. Lucilla Galeazzi und Michel Godard geben zudem am Eröffnungstag im Trio zusammen mit dem Rabih Abou Kahlil-Saxophonisten Gavino Murgia eine Weltpremiere.
Blick zurück nach vorn: Deutsche Begegnungen
Zu den Musikern, die Festivalgeschichte geschrieben haben, gehört der Posaunist Conny Bauer, der als Aushängeschild des früheren DDR-Jazz mit unterschiedlichen Besetzungen nachdrückliche Akzente gesetzt hat. Hier tritt er mit einem der herausragendsten jungen Posaunisten der europäischen Jazzlandschaft auf, Nils Wogram, der beim letzten Festival mit Lucas Nigglis Big Zoom überzeugte
Ein Bläserensemble mit ähnlichem Hintergrund ist das Clarinet Trio, das wie das Posaunen Duo im Kleinen Haus zu hören sein wird. Sowohl Gebhard Ullmann als auch Jürgen Kupke waren schon in Münster zu Gast, Letzterer unter anderem im legendären Jazzorchester der DDR unter der Leitung von Conny Bauer.
Entdeckungen: Neues vom Jazz aus Europa - Geballte Saxophonkraft aus Osteuropa
Jazz aus Osteuropa war vor allem in den 80er- und den beginnenden 90er-Jahren ein Themenschwerpunkt des münsterschen Jazzfestivals. Viele Musikerinnen und Musiker feierten in Münster ihre Westpremieren. Stellvertretend für dieses Thema gibt das ungarische Del-Alföldi Saxophone Quintet sein Debüt in Münster - Balkan-Sounds mit drei Saxophonen und Rhythmusgruppe am zweiten Festivaltag im Großen Haus (Sonntag, 9. Januar).
Entdeckungen: Neues vom Jazz aus Europa - Zwei traditionell geprägte Stimmen aus Südeuropa und ein Vokalwunder aus Berlin
Neben der Italienerin Lucilla Galeazzi sind zwei weitere herausragende Stimmen im Programm. Da ist zum einen die griechische Vokalistin Savina Yannatou, die mit ihrer "Primavera en Salonico" den Schlusspunkt am Samstag setzt. Die Fachpresse überbietet sich mit Superlativen, wie "Mediterranes Sangeswunder" und "Griechische Göttin des Gesangs". Ihre Musik verarbeitet die traditionellen Wurzeln Griechenlands in aufregender, experimenteller Weise - Weltmusik ohne Attitüde und volkstümliche Schnörkel. 2003 veröffentlichte sie eine von der Kritik hoch gelobte Aufnahme beim renommierten Jazzlabel ECM.
Ein weiterer Stimmakrobat ist beim Eröffnungskonzert zu hören. Der in Münster geborene Michael Schiefel gibt mit Thärichens Tentett den musikalischen Startschuss zum Festivaljubiläum. Die Berliner Gruppe gehört zu den deutschen Newcomern und ist für ihre Konzerte auf den Festivals in Frankfurt und Elmau von Kritikern als Entdeckung euphorisch gelobt worden.
Entdeckungen: Neues vom Jazz aus Europa
Zwei Piano-Soli und eine Pianistin aus einem Königreich
Mit Bojan Zulfikarpasic und Stefano Bollani sind zwei europäische Klaviersolisten zu hören. Bojan Z. spielte 2001 als Sideman von Henri Texier in dessen Azur Quintett. Als Solisten hat Fritz Schmücker ihn beim renommierten Bath International Music Festival in England für sich "entdeckt" und sofort für das Festival in Münster vorgemerkt. Er ist ein eigenwilliger Stilgrenzgänger zwischen europäischer Moderne und Balkan-getönter Traditionsaufarbeitung. Ganz andere Töne schlägt der Pianist Stefano Bollani an. Das junge italienische Pianotalent vereint in seiner Musik scheinbare Gegensätze: Sergej Prokofjew steht neben Alberto Ginastera, Frank Zappa neben Thelonius Monk, John Lennon neben Angel Villoldo. Hinzu kommt eine gute Prise Humor: ein Schalk an den Tasten.
Mit der Belgierin Nathalie Loriers kommt eine weitere Pianistin nach Münster. Sie tritt in einem Quintett auf, das sie mit ihrem musikalischen Partner, dem tunesischen Oud-Spieler Yadh Elyes eigens für das belgische Gaume Jazzfestival geformt hat. "Chemins Croisés" nannten die Beiden ihr Projekt, zu dem sie auch den italienischen Saxophonisten Gianluigi Trovesi eingeladen haben. In Münster geben sie ihre Deutschlandpremiere.
Entdeckungen: Neues vom Jazz aus Europa - Junge Frische aus dem hohen Norden
Zu den europäischen Newcomern zählt auch das finnische Ilmiliekki Quartett. Verwurzelt im modernen Mainstream gelingt es den vier jungen Finnen um den Trompeter Verneri Pohjola, einen ganz eigenen Sound zu kreieren, der sie zu einem Geheimtipp unter den europäischen Festivalveranstaltern macht.
Ein ebensolcher Geheimtipp war beim Festival 2001 die norwegische Gruppe Farmers Market. Nicht nur, dass das münstersche Publikum dem Bandleader Stian Carstensen spontan ein Geburtstagsständchen sang, sondern vor allem auch die 60 Popsongs, gespielt in drei Minuten, dürften nachhaltig in Erinnerung geblieben sein. Der Akkordeonist und Banjospieler ist diesmal im Duo mit dem englischen Saxophonisten Iain Ballamy zu hören (Sonntag, 9. Januar).
Jazz aus Münster und Wettbewerb Westfalen-Jazz
Von Beginn an hat das Jazzfestival immer auch einen Spot auf Münster und die Region gerichtet, deren Hauptprotagonisten sich durchaus im internationalen Kontext sehen bzw. hören lassen können. Das musikalische Aushängeschild aus Münsters Jazzszene ist zweifelsohne der Saxophonist Jan Klare, der nicht zuletzt aus diesem Grund häufiger in immer neuen Kontexten zu hören war. Für das Jubiläum wird er sein Trio Autofab um Gäste erweitern (Samstag, 8. Januar).
Den Preisträger des Wettbewerbs Westfalen-Jazz, den Jan Klare 2001 mit seinem Projekt "Sieben" gewonnen hat, gibt es am Festivalsonntag live zu hören. Eine Fachjury wählt den Sieger 2005 aus allen Ein-sendungen aus.
Familienkonzert
Nach den Erfolgen 2001 und 2003 ist auch für die 20. Ausgabe des Festivals ein Familienprogramm geplant. Der "Schönen und das Biest" und der "Blaumaus" folgt eine musikalische Matinee für Kinder ab sechs Jahren. Am Sonntag (9. Januar) um 10.30 Uhr im Kleinen Haus gibt es eine spannende Mischung aus "Nußknacker-Suite" von Tschaikowski, gespielt in der jazzigen Ellington-Bearbeitung von 1960, Swing dargeboten von Kindern für Kinder (Junior Jazz-Connection) und klassischer Klaviermusik.
Jazz für Nachtschwärmer
Auch wenn auf den Bühnen der letzte Ton an den drei Tagen verklungen ist, die Musik bleibt. Im Theatercafé setzt dann das Programm für Nachtschwärmer ein. Geboten werden Live-Musik unter anderem mit der Köstritzer Jazzband und tanzbare Rhythmen vom Plattenteller.
Engagement der Sponsoren
Nur durch Engagement auf breiter Ebene ist das Internationale Jazzfestival möglich. Neben der Stadt Münster treten mit dem AStA der Uni Münster - vor Jahren der eigentliche Begründer des Festivals - weitere Unterstützer auf. Der WDR Köln (WDR 3) übernimmt den Konzertmitschnitt für den Hörfunk. Als Sponsoren engagieren sich: das offizielle Festivalhotel Parkhotel Schloss Hohenfeld, LVM-Versicherungen, ReiseArt Lufthansa City Center, Köstritzer Brauerei, M4-Media Werbeagentur, Münstersche Zeitung, Pianohaus Micke und das Theatercafé. Die Spedition Laarmann ist Träger des Wettbewerbs Westfalen-Jazz.
Vorverkauf läuft
Wegen der vielen Anfragen hat der Vorverkauf bereits Anfang November an den Verkaufstellen der Städtischen Bühnen Münster begonnen. Die Kartenpreise sind nach wie vor sehr moderat und gegenüber dem letzten Festival nur in den oberen Kategorien leicht erhöht worden. Bei Mehrfachkarten werden erhebliche Rabatte gewährt, hier gibt es auch Ermäßigungen für Schüler und Studierende. Sie können in der preiswertesten Kategorie alle Konzerte (mit Ausnahme des Kinderkonzertes) wie beim letzten Festival bereits zum Sensationspreis von 31 Euro genießen.
Weitere Informationen: www.jazzfestival-muenster.de; Festivalbüro im städtischen Kulturamt, Tel. 02 51 / 66 49 55, Fax 02 51/66 69 28; E-Mail post@jazzfestival-muenster.de.
Fotos zum Download in Druckqualität:
Bennie Wallace (3 Motive)
Joachim Kühn (2 Motive)
La Banda, Motiv 1, mit Gianluigi Trovesi (links stehend)
La Banda, Motiv 2, mit Lucilla Galeatzzi und Michel Godard (links)
La Banda, Motiv 3, mit Pino Minafra, künstlerischer Leiter des Talos-Festivals in Ruvo und Initiator der Banda (links vorne)
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