Lokale Initiative gegen Jugendarbeitslosigkeit zeigt Erfolg
Stadtverwaltung und Partner ziehen Zwischenbilanz
Magdeburg.
„Es hat sich bewährt, die Benachteiligtenförderung auf frühzeitige, präventive Angebote auszurichten“, resümiert die Initiatorin des Programmes „Berufliche Integration Benachteiligter“ (BIB), Magdeburgs Sozialbeigeordnete Beate Bröcker zufrieden. „Zwar ist es für eine umfassende Wirkungsanalyse noch zu früh, aber schon jetzt sehen wir, dass die Orientierungshilfen und Angebote das Ziel nicht verfehlen“, erläutert die Beigeordnete.
Das Programm zur beruflichen und sozialen Integration Benachteiligter war vom Magdeburger Stadtrat für den Zeitraum 2006 bis 2008 bewilligt worden und stellt eine Bündelung von präventiven Maßnahmen dar, die die Verhinderung von Arbeitslosigkeit und lebenslanger Alimentierung junger Menschen durch den Sozialstaat zum Ziel haben.
Schulsozialarbeit als effektivster Baustein
Als frühzeitiges präventives Angebot hat sich insbesondere die Schulsozialarbeit bewährt. Sie ist nach Ansicht der Experten dann wirksam, wenn sie kontinuierlich und eigenständig im Schulalltag verankert ist.
So konnten im Rahmen von Hilfen im Einzelfall 2007 insgesamt ca. 1.092 Schüler, davon 562 Mädchen, unterstützt werden. Gut 6.800 Schülerinnen und Schülern haben von Gruppenangeboten wie zum Beispiel zur beruflichen Orientierung profitieren können. Über 300 Eltern wurden (außerhalb von konkreten Einzelfällen) beraten und unterstützt, z.B. in Elterncafés, bei thematischen Elternabenden oder bei Elternbildungswochenenden.
Die Intensivierung der Schulsozialarbeit im Rahmen des BIB trug als ein Faktor dazu bei, dass die Zahl der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss gesenkt werden konnte. Sie lag zum Ende des vergangenen Schuljahres (2006/07) bei 7,6 % und damit unter dem Landesdurchschnitt von 8 %. Zwei Jahre zuvor lag sie noch deutlich über dem Landesdurchschnitt.
Gleichzeitig ist auch die Zahl der Schulabgänger mit einem Abschluss der Schule für Lernbehinderte gesunken, was darauf schließen lässt, dass die Bemühungen der Förderzentren in Verbindung mit den sozialpädagogischen Unterstützungsangeboten der Schulsozialarbeit dazu beigetragen haben, dass Schüler der Förderschulen zum Hauptschulabschluss geführt werden. Dies wird u. a. durch Integrationsklassen an Sekundarschulen, welche Schüler aus Förderschulen im letzten Schuljahr auf den Hauptschulabschluss vorbereiten, erreicht. „Damit haben Jugendliche in Magdeburg heute deutlich bessere Startbedingungen, wenn es nach Abschluss der Schule gilt, eine Lehrstelle zu finden und eine Berufsausbildung zu beginnen“, fasst Beate Bröcker zusammen. „Wir werden deshalb Schulsozialarbeit weiterhin als einen Schwerpunkt zur Förderung sozial benachteiligter Jugendlicher einsetzen, weil sie durch frühzeitige pädagogische Begleitung im Berufsleben unverzichtbare Sozialkompetenzen erwerben.“
„Schulsozialarbeit kann die avisierten Wirkungen jedoch nur erreichen, wenn sie kontinuierlich, über einen langen Zeitraum und mit gut ausgebildetem Personal umgesetzt wird“, erläutert Schulsozialarbeiterin Nadine Schulz vom Deutschen Familienverband. „Erst die kontinuierliche Zusammenarbeit bringt das nötige Vertrauen, um Zielstellungen wie die Verringerung von Schulbummelei und Schulabbruch sowie eine Erhöhung der Erziehungskompetenz von Eltern zu erreichen“, ergänzt sie. So wird z.B. die thematische Elternarbeit an der Schule auch für bildungsferne oder sozial benachteiligte Eltern annehmbar, wenn sich durch gezielte Familienbildungs- und -freizeitangebote ein Vertrauensverhältnis entwickeln konnte.
Langfristig wird mit der Umsetzung der Angebote und Maßnahmen erreicht, dass mehr Jugendliche mit den notwendigen Schlüsselqualifikationen die Schule verlassen und damit ihre Chance auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt erhöht wird. Für benachteiligte Kinder und Jugendliche, die an den Anforderungen der Schule scheitern oder zu scheitern drohen, sind die Angebote der Schulsozialarbeit entscheidende Hilfestellungen. Darüber hinaus gilt unter den derzeitigen Bedingungen der Arbeits- und Lebenswelt, dass viele junge Menschen im Übergang von der Schule in den Beruf auf professionelle Unterstützung angewiesen sind.
Als Case Manager erstellen die beiden Mitarbeiterinnen gemeinsam mit den Jugendlichen ein individuelles Profil: Wo liegen die Stärken des jungen Menschen, wo die Schwächen, die es zu beheben gilt? Was können die Jugendlichen leisten, wobei brauchen sie zielgerichtete, spezielle Hilfe? Das Ergebnis ist ein individueller Entwicklungsplan für den Ausbildungs- und Berufsweg jedes Jugendlichen. Dabei achtet der Case Manager darauf, dass alle notwendigen Partner im Netzwerk eingebunden werden, wie z. B. die Familie, das persönliche und soziale Umfeld, die Schule, Bildungsträger, das Jugendamt, die Arbeitsverwaltung und nach Möglichkeit geeignete Betriebe.
Die „JuKoMa“ steht als fachkompetente Anlaufstelle auch Schülern, Eltern, Lehrern und anderen Interessierten zu allen Fragen rund um Schule, Ausbildung und alternative berufliche Eingliederungsmöglichkeiten zur Verfügung.
Die Kompetenzagenturen werden vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds gefördert. In Magdeburg hat die Kofinanzierung das städtische Jugendamt übernommen, Träger ist der BAJ Magdeburg e.V.
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