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Magdeburg, 26. März 2008
Lokale Initiative gegen Jugendarbeitslosigkeit zeigt Erfolg
Stadtverwaltung und Partner ziehen Zwischenbilanz

Magdeburg.

Zwei Jahre nach dem Start ziehen die Verantwortlichen von Stadtverwaltung und Jobcenter ARGE Magdeburg eine erste Bilanz ihrer gemeinsamen Initiative gegen Jugendarbeitslosigkeit. Im Rahmen eines Workshops analysierten sie heute mit der Agentur für Arbeit, beteiligten Schulen und den Freien Trägern der Jugendhilfe bisher erzielte Ergebnisse und entschieden, die entwickelten Handlungsstrategien weiter einzusetzen und zu verfeinern. 

 

„Es hat sich bewährt, die Benachteiligtenförderung auf frühzeitige, präventive Angebote auszurichten“, resümiert die Initiatorin des Programmes  „Berufliche Integration Benachteiligter“ (BIB), Magdeburgs Sozialbeigeordnete Beate Bröcker zufrieden. „Zwar ist es für eine umfassende Wirkungsanalyse noch zu früh, aber schon jetzt sehen wir, dass die Orientierungshilfen und Angebote das Ziel nicht verfehlen“, erläutert die Beigeordnete.

Bei der Jugendarbeitslosigkeit wurde ein Rückgang um 30 % erreicht. Es ist festzustellen, dass durch die individuelle Förderung benachteiligter Jugendlicher durch Jugendhilfe und Arbeitsagentur sowie ARGE in Magdeburg die Zahl der Arbeit suchenden jungen Menschen unter 25 Jahren deutlich reduziert wurde. Sie hat sich auf 1.742  (davon 751 weiblich) im Dezember 2007 reduziert. Im Vergleich dazu gab es im Dezember 2005 in Magdeburg noch 2.487 (davon 1.048 weiblich) Arbeitslose unter 25 Jahren.

Das Programm zur beruflichen und sozialen Integration Benachteiligter war vom Magdeburger Stadtrat für den Zeitraum 2006 bis 2008 bewilligt worden und stellt eine Bündelung von präventiven Maßnahmen dar, die die Verhinderung von Arbeitslosigkeit und lebenslanger Alimentierung junger Menschen durch den Sozialstaat zum Ziel haben.

Im Rahmen des BIB-Programmes wurden die Aktivitäten verschiedener Träger der Jugendhilfe, der Schulen und der Arbeitsverwaltung gebündelt, um Synergien zu nutzen und Hilfsangebote zu optimieren. Ein gemeinsamer Arbeitsplan ist Grundlage des Drei-Jahres-Programms. 

 

 

Schulsozialarbeit als effektivster Baustein

Als frühzeitiges präventives Angebot hat sich insbesondere die Schulsozialarbeit bewährt. Sie ist nach Ansicht der Experten  dann wirksam, wenn sie kontinuierlich und eigenständig im Schulalltag verankert ist.

So konnten im Rahmen von Hilfen im Einzelfall 2007 insgesamt ca. 1.092 Schüler, davon 562 Mädchen, unterstützt werden. Gut 6.800 Schülerinnen und Schülern haben von Gruppenangeboten wie zum Beispiel zur beruflichen Orientierung profitieren können. Über 300 Eltern wurden (außerhalb von konkreten Einzelfällen) beraten und unterstützt, z.B. in Elterncafés, bei thematischen Elternabenden oder bei Elternbildungswochenenden.

 

Die Intensivierung der Schulsozialarbeit im Rahmen des BIB trug als ein Faktor dazu bei, dass die Zahl der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss gesenkt werden konnte. Sie lag zum Ende des vergangenen Schuljahres (2006/07) bei 7,6 % und damit unter dem Landesdurchschnitt von 8 %. Zwei Jahre zuvor lag sie noch deutlich über dem Landesdurchschnitt.

 

Gleichzeitig ist auch die Zahl der Schulabgänger mit einem Abschluss der Schule für Lernbehinderte gesunken, was darauf schließen lässt, dass die Bemühungen der Förderzentren in Verbindung mit den sozialpädagogischen Unterstützungsangeboten der Schulsozialarbeit dazu beigetragen haben, dass Schüler der Förderschulen zum Hauptschulabschluss geführt werden. Dies wird u. a. durch Integrationsklassen an Sekundarschulen, welche Schüler aus Förderschulen im letzten Schuljahr auf den Hauptschulabschluss vorbereiten, erreicht. „Damit haben Jugendliche in Magdeburg heute deutlich bessere Startbedingungen, wenn es nach Abschluss der Schule gilt, eine Lehrstelle zu finden und eine Berufsausbildung zu beginnen“, fasst Beate Bröcker zusammen. „Wir werden deshalb Schulsozialarbeit weiterhin als einen Schwerpunkt zur Förderung sozial benachteiligter Jugendlicher einsetzen, weil sie durch frühzeitige pädagogische Begleitung im Berufsleben unverzichtbare Sozialkompetenzen erwerben.“

 

„Schulsozialarbeit kann die avisierten Wirkungen jedoch nur erreichen, wenn sie kontinuierlich, über einen langen Zeitraum und mit gut ausgebildetem Personal umgesetzt wird“, erläutert Schulsozialarbeiterin Nadine Schulz vom Deutschen Familienverband. „Erst die kontinuierliche Zusammenarbeit bringt das nötige Vertrauen, um Zielstellungen wie die Verringerung von Schulbummelei und Schulabbruch sowie eine Erhöhung der Erziehungskompetenz von Eltern zu erreichen“, ergänzt sie. So wird z.B. die thematische Elternarbeit an der Schule auch für bildungsferne oder sozial benachteiligte Eltern annehmbar, wenn sich durch gezielte Familienbildungs- und -freizeitangebote ein Vertrauensverhältnis entwickeln konnte.

 

Langfristig wird mit der Umsetzung der Angebote und Maßnahmen erreicht, dass mehr Jugendliche mit den notwendigen Schlüsselqualifikationen die Schule verlassen und damit ihre Chance auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt erhöht wird. Für benachteiligte Kinder und Jugendliche, die an den Anforderungen der Schule scheitern oder zu scheitern drohen, sind die Angebote der Schulsozialarbeit entscheidende Hilfestellungen. Darüber hinaus gilt unter den derzeitigen Bedingungen der Arbeits- und Lebenswelt, dass viele junge Menschen im Übergang von der Schule in den Beruf auf professionelle Unterstützung angewiesen sind.

 

 

Lotsen für den Übergang ins Berufsleben

Diesen zusätzlichen Unterstützungsbedarf decken z.B. seit Anfang 2007 die Mitarbeiterinnen der  Jugendkompetenzagentur „JuKoMa“. Unter dem Motto „Jugendliche in Ausbildung und Beruf lotsen“ begleiten Carina Otto, Stephanie Hecht und seit Februar 2008 Thomas Schuldt Jugendliche und junge Erwachsene bis 25 Jahre beim Übergang ins Berufsleben. Bereits 144 Jugendliche konnten sie bei ihrer Perspektivsuche unterstützen,  20 % von ihnen haben eine Berufsausbildung aufgenommen, und für viele andere konnten geeignete Angebote vermittelt werden.

 

Als Case Manager erstellen die beiden Mitarbeiterinnen gemeinsam mit den Jugendlichen ein individuelles Profil: Wo liegen die Stärken des jungen Menschen, wo die Schwächen, die es zu beheben gilt? Was können die Jugendlichen leisten, wobei brauchen sie zielgerichtete, spezielle Hilfe? Das Ergebnis ist ein individueller Entwicklungsplan für den Ausbildungs- und Berufsweg jedes Jugendlichen. Dabei achtet der Case Manager darauf, dass alle notwendigen Partner im Netzwerk eingebunden werden, wie z. B. die Familie, das persönliche und soziale Umfeld, die Schule, Bildungsträger, das Jugendamt, die Arbeitsverwaltung und nach Möglichkeit geeignete Betriebe.

 

Die „JuKoMa“ steht als fachkompetente Anlaufstelle auch Schülern, Eltern, Lehrern und anderen Interessierten zu allen Fragen rund um Schule, Ausbildung und alternative berufliche Eingliederungsmöglichkeiten zur Verfügung.

 

Die Kompetenzagenturen werden vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds gefördert. In Magdeburg hat die Kofinanzierung das städtische Jugendamt übernommen,  Träger ist der BAJ Magdeburg e.V.

 

 

Fazit und Ausblick

Insgesamt hat sich das mit dem BIB- Programm etablierte Netzwerk von Schulen, Arbeitsförderung und Jugendhilfe als tragfähig erwiesen. „Alle Beteiligten sind sich deshalb einig, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen, damit die erzielten Effekte vertieft und verstetigt werden können“, fasst Magdeburgs Sozialbeigeordnete Beate Bröcker zusammen.

 

„Mit dem neuen ESF-Programm gegen Schulversagen, das wir im April erwarten, werden die Kooperationen von Jugendhilfe und Schule weiter ausgebaut“, kündigt die Sozialbeigeordnete an. „Wir verbessern so die Unterstützungsangebote für Schüler mit Problemen beim Übergang von Schule zum Beruf. Die von den Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbänden beklagte fehlende Ausbildungsreife rechtfertigt den Ansatz der Stadt zur Verstärkung präventiver Angebote.“

 

 

Hintergrund

Die Hartz- Gesetze und insbesondere das SGB II (Grundsicherung für Arbeitsuchende) haben nachhaltige Auswirkungen auf die Lebenssituation junger Menschen und auf die Praxis der Kinder- und Jugendhilfe. Mit den Jugendlichen, die durch das Jobcenter betreut werden, wird eine Eingliederungsvereinbarung abgeschlossen, die u.a. Schritte zur beruflichen Integration festlegt. Die Jugendlichen sind zur aktiven Mitwirkung  verpflichtet. Fehlt sie, kommt es zu Sanktionen – z. B.  der Streichung des Arbeitslosengeldes II für drei Monate. Das Jobcenter ist verpflichtet die Jugendlichen durch geeignete Angebote zu fördern (z.B. durch Ausbildung, Arbeit, Suchtberatung etc.).

 

Die öffentliche und freie Jugendhilfe in Magdeburg verfügt auf Grund langjähriger Erfahrungen in der Jugendberufshilfe über Kompetenzen und Kooperationsstrukturen. Die Träger der Jugendhilfe sind bei der Umsetzung des SGB II nicht nur Leistungsanbieter (z. B. im Bereich der arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit), sondern unverzichtbarer Netzwerk- und Kooperationspartner, insbesondere bei der Früherkennung von Förderbedarf.

 

So muss bereits in den Schulen  analysiert werden, wie die berufliche Orientierung und die Entwicklung von ausbildungsrelevanten Fähigkeiten gefördert werden können. Das jugendpolitische Programm der Stadt Magdeburg ist ein Bündel präventiver Maßnahmen zur Verhinderung von Arbeitslosigkeit und lebenslanger Alimentierung junger Menschen durch den Sozialstaat. 



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Stadt Magdeburg
Frau Dr. Cornelia Poenicke
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