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Gruppenausstellung in AZKM / Fotos, Videos, Installationen / Fokus auf persönlichem Erleben des Krieges (SMS) Was ist Krieg? Wer führt ihn? Warum lernen die Menschen nichts aus den Fehlern, dem Grauen? Diese Fragen kann eine Ausstellung nicht beantworten. Noch weniger kann Kunst oder eine Ausstellung tatsächlich gesellschaftliche Veränderungen bewirken. Aber sie kann versuchen, das Denken derjenigen zu beeinflussen, die sich mit den präsentierten Kunstwerken auseinanderzusetzen.
Die Ausstellung "Krieg / Individuum" in der städtischen Ausstellungshalle zeitgenössische Kunst Münster (AZKM) will einen Resonanzraum bilden, in dem die Folgen und Auswirkungen kriegerischer Ereignisse für das Individuum, Gruppen und Gesellschaften des 20. und 21. Jahrhunderts sichtbar und bewusst werden. Die scheinbar sichere Distanz am Fernsehgerät oder beim Zeitung lesen soll von der Kunst aufgehoben werden. Die Arbeiten der 15 Künstlerinnen und Künstler sind bis zum 25. April im Speicher II am Hafen zu sehen. Die Eröffnung findet am Freitag, 19. Februar, 19.30 Uhr, statt.
Die von Susanne Düchting und Julia Wirxel in Zusammenarbeit mit Gail Kirkpatrick, Leiterin der AZKM, kuratierte Gruppenausstellung zeigt Fotos, Videos und Installationen von den internationalen Künstlerinnen und Künstlern Lida Abdul, Marcel Dzama, Lukas Einsele, Parastou Forouhar, Ori Gersht, Barbara Hlali, Sigalit Landau, Emily Jacir, Jenny Holzer, Randa Mirza, Jean-Gabriel Périot, Stephen Prina, Martha Rosler, Gil Shachar, Helmut Smits.
Dimensionen des Schreckens
Zu sehen sind poetische, politische, kritische Kunstwerke, die sich auf die Kriege in Vietnam, Nah-Ost, Jugoslawien, Afghanistan und im Irak sowie den Zweiten Weltkrieg beziehen. Das verbindende Leitthema ist die leibliche und psychische Dimension des Schreckens, die – mal sichtbarer, mal verborgener – das Individuum verstört und entwurzelt hat, sein Wertesystem in Frage stellt oder es seiner Heimat beraubt hat.
Der Krieg vernichtet: Menschen und Orte; der Krieg entwertet: Würde und Sicherheiten; der Krieg verwischt: Wahrheit und Lüge; er verletzt das Subjekt, seine Urteilsfähigkeit und seine Leidensfähigkeit; er zerstört soziale Netze, gewachsene Gesellschaftsformen und trennt Familien und Freunde. Im Aufbieten vernichtender Angstszenarien hat es der Krieg auf den Lebensnerv ganzer Völker abgesehen. Lebensfreude und Zukunftshoffnungen werden zerschlagen. Es dauert Generationen bis sich Traumata verwachsen. Wo sich Trauer und Verletzungswunsch ineinander verbeißen, entsteht Rache. Unschuld wäre die Voraussetzung für den Neuanfang. Doch der Körper der Opfer hat seine eigene Erinnerungsfähigkeit.
Die Ausstellung erlaubt kein vorschnelles Einordnen oder Verstehen. Die Werke wirken nachhaltig, intensiv, subkutan: Sie gehen unter die Haut. Das Unheimliche und Unbegreifbare des Krieges spielt sich auch in den Köpfen und den Körpern der Betrachter ab.
Am Schluss bleibt immer jemand
"Da, wo Frauen sterben, bin ich hellwach", lautet der Werktitel einer Arbeit aus der Serie "Lustmord" von Jenny Holzer, die in der AZKM gezeigt wird. Die in New York lebende Künstlerin erklärt, dass es immer drei Perspektiven gebe: die des Täters, die des Opfers, und desjenigen, der zurückbleibt. Das kann ein Angehöriger sein, der in seiner Trauer um Worte ringt. Das kann auch die Person sein, die die Leiche beseitigen muss. Tod ist keine saubere Angelegenheit, noch dazu, wenn er gewaltsam erfolgt. "Am Schluss bleibt immer jemand, der die Dreckarbeit machen muss.“ Die Ausstellung in der AZKM fügt weitere Perspektiven hinzu: die des Künstlers und die des Betrachters.
Die ausstellenden Künstlerinnen und Künstler – und auch das Publikum – haben unterschiedliche Erfahrungshintergründe. Mal herrscht stärker eine Innenperspektive als direkt Betroffener oder Überlebender vor, mal die Außenperspektive als emphatischer Beobachter oder politisch reflektierendes Individuum. In dieser Ausstellung wird der Fokus auf das persönliche, das private Erleben des Krieges gelenkt. Stellvertretend für die vielen involvierten Menschen zeigen die beteiligten Künstlerinnen und Künstler ihre subjektive Wahrnehmung der Kriegsereignisse und –folgen, ihren subjektiven Schmerz. Oder sie reflektieren den medialen Umgang mit den Ereignissen.
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