Filmauswahl traf den Geschmack des Publikums
Fast 700 Besucher beim Europäischen Filmfestival im Kinopolis Hanau
Fast 700 Besucher kamen zum Europäischen Filmfestival der Generationen ins Kinopolis nach Hanau. 600 waren es bei der Premiere im vergangenen Jahr. „Wir haben offensichtlich einen Nerv getroffen“, freut sich Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel. Die Mischung aus Dokumentar-, Kurz- und Kinofilmen lief außer in der Brüder-Grimm-Stadt auch noch in Frankfurt, Heidelberg und Mannheim. Das Kino habe sich zu einem Ort entwickelt, so der Stadtrat, „an dem sich Menschen unterschiedlicher Generationen und Kulturkreise wohlfühlen und miteinander ins Gespräch kommen. Das bereichert das Klima in unserer Stadtgesellschaft.“
„Ich will nicht nur Filme über die Problematik des Alters sehen“. Dieser Satz von Cineasten und von Kino-Neulingen, die das Kinopolis-Kino erstmals besuchten, zog sich im Vorfeld durch viele Gespräche. „Den Wunsch hat das Festival erfüllt“, ist sich Michael Stegmann, Leiter des Seniorenbüros, sicher. Seine Kollegin Karin Dunkel holte die Veranstaltungsreihe nach Hanau und achtete bei der Auswahl darauf, dass es Filme gab, die den Zuschauerinnen und Zuschauer zu Herzen gingen, sie zum Lachen brachten und zum Nachdenken anregten. Oft war die Rede davon, welches Potenzial noch in alten Menschen steckt. Das zu entdecken und sich gegenseitig Freude, neuen Lebensmut und Zuversicht zu schenken, waren Botschaften der Filme. Musik könne dafür ein Motor sein, sagte Dr. Catharine Maulbecker-Armstrong vom Hessischen Sozialministerium bei der Eröffnung mit dem Film „Das Lied des Lebens“. Filmemacherin Irene Langemann hat darin den Komponisten Bernhard König begleitet, der aus der Biografiearbeit mit Bewohnern eines Stuttgarter Seniorenheims sehr persönliche Lieder des Lebens gestaltet hatte. Auch „Song for Marion“ überzeugte die Zuschauer durch die Kraft der Musik, die hilft Verlust, Trauer und Einsamkeit zu überwinden und neue Lebensfreunde zu gewinnen.
Gelegenheit zu Gesprächen gab es bei dem dreitägigen Kinofestival reichlich, sei es vor den Vorführungen bei einem Stück Kuchen im Kino-Foyer oder nach jedem der acht Filme, die von Kooperationspartnern begleitet und von Michael Stegmann und Karin Dunkel vom Seniorenbüro moderiert wurden. Viele Zuschauer blieben nach dem Abspann sitzen und nutzten dieses Angebot und überlegten gemeinsam, wie sich Filminhalte in den Alltag transportieren lassen.
Nach dem Film „Vergiss mein nicht“ über das Schicksal einer an Demenz erkrankten Frau war das Redebedürfnis besonders groß. Statt der üblichen 20 bis 30 Minuten blieb das Publikum anderthalb Stunde, um mit Regisseur David Sieveking, dessen Vater Malte und Dr. Uwe Jander-Kleinau von der Geriatrie des St. Vinzenz-Krankenhauses zu diskutieren. Das Seniorenbüro wird den Film im Rahmen seiner Aktionstage rund um das Thema Demenz Ende September nochmals zeigen. „Wir haben eine starke Betroffenheit und das Bedürfnis nach Erfahrungsaustausch gespürt“, so Michael Stegmann, „und wollen deshalb eine weitere Plattform bieten“. David Sieveking wird vermutlich wieder dabei sein.
Kompetenter Gesprächspartner bei „Oma & Bella“, einem poetisch-kulinarischen Film über gutes jüdisches Essen, Freundschaft und würdevolles Altern, war der Rabbiner Shimon Großberg, der unter anderem über das Essen, jüdische Traditionen und geläufige jiddische Wörter aus dem Film wie meschugge, Schlamassel und Masel tov sprach. Zum Abschluss lud er dazu ein, koscheres Gebäck zu kosten.
Der kleine blaue Roboter „Giraff“, der durch das Kino-Foyer fuhr, beeindruckte kleinen und großen Besucherinnen, da er zur sozialen Interaktion fähig ist. Informationen gab es dazu von Prof. Barbara Klein von der Fachhochschule Frankfurt, die zusammen mit zwei Kolleginnen und Lothar Hain von der städtischen Stabsstelle Demografie auf das Thema Zukunftstechnik für das Alter und den Film „Robot & Frank“ einstimmte. Das Festival wurde mit dem bewegenden Film „Liebe“ beendet und der sich daraus ergebenden dringlichen Frage, ob es in Zukunft noch Möglichkeiten für ein Altern in Würde geben kann, wenn man ohne familiäre Hilfe lebt?
Die Kurzfilme „Video der Generationen“ des Kinder- und Jugendfilmzentrums in Deutschland mit Zeitzeugenberichten über Erlebnisse in einem Internierungslager in Südfrankreich im Jahr 1940 und über die Nachkriegszeit in Ostdeutschland und die riskante Flucht in den Westen im Jahr 1950 bot vor allem für die Seniorinnen und Senioren im Publikum Anlass, sich über Erinnerungen auszutauschen und Jugendliche daran teilhaben zu lassen.
Wer erst mit zeitlichem Abstand über die Filme und Themen sprechen will, kann dies auch nach dem Festival tun. Die Kooperationspartner , sei es der Förderverein Palliative Patienten-Hilfe, das HanauAktivteam oder die Mobile Wohnberatung, haben nach wie vor offene Ohren. Ihre Kontaktdaten sind im Seniorenbüro bei Michael Stegmann (06181/6682044, michael.stegmann@hanau.de) zu erfragen.
Pressekontakt: Stadt Hanau, Andrea Freund, Telefon 06181/295-488
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Mit Musik vom Männergesangverein Sumser 1846 Hanau und Werner Bayer vom Mellow Tone Trio wurde das Filmfestival der Generationen in Hanau eröffnet. Foto: Stadt Hanau
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