City-Konkunkturprogramm setzt positive Impulse
Besuch aus dem hessischen Wirtschaftministerium begutachtet Erfolge
„Wir können Hausbesitzern, Einzelhändlern oder Gastronomen nicht die Entscheidung abnehmen, sich tatkräftig am Stadtumbau zu beteiligen und mit eigenen Verschönerungsmaßnahmen die Innenstadtentwicklung selbst voranzubringen, aber wir tun mit großem Erfolg eine ganze Menge, um es ihnen so leicht wie möglich zu machen,“ gab Hanaus Stadtentwickler Martin Bieberle im Gespräch mit Karin Jasch vom Hessischen Wirtschaftsministerium einen Vorgeschmack auf das, was beim anschließenden Stadtrundgang dann in der Praxis besichtigt werden konnte. Gleichzeitig kündigte er einen schriftlichen Sachstandsbericht an. Dieser soll im Spätsommer den städtischen Gremien zugehen und diese umfassend über die deutlichen Fortschritte der Projekte aus dem City-Konjunkturprogramm (CKP) informieren.
Die Referentin für Städtebau war aus Wiesbaden in die Brüder-Grimm-Stadt gekommen, um sich gemeinsam mit Anette Frisch und Andrea Otto von der Hessen Agentur (Zentrum Aktive Kernbereiche) einen unmittelbaren Eindruck von den positiven Akzenten zu verschaffen, die das CKP als eine Maßnahme innerhalb des Bund-Länder-Förderprogramms „Aktive Kernbereiche in Hessen“ in den vergangenen zwei Jahren gesetzt hat. Immerhin wurden in dieser Zeit bereits rund 400.000 Euro für 18 Projekte bewilligt und zum Teil auch bereits ausgezahlt.
Bieberle machte in seiner Einführung deutlich, dass es von Anfang an Ziel der Stadt gewesen sei, mit den Neubau-Projekten aus dem Wettbewerblichen Dialog weitergehende Impulse zu setzen und die Innenstadt in ihrer Gesamtheit voranzubringen, indem Investitionsstaus bei den Bestandslagen aufgelöst werden. Die Bestandsimmobilien sollten unbedingt mit einbezogen werden, um die Attraktivität von Hanau als Einkaufsstadt insgesamt zu steigern und zu sichern. Dabei setzte die Stadt ihre Hoffnungen darauf, dass der mit dem Wettbewerblichen Dialog angestoßene Stadtumbau wie ein Katalysator die Investitionsbereitschaft der Eigentümer in der Innenstadt so weit erhöhen würde, dass sich dies in konkreten Vorhaben zur Verschönerung und Aufwertung der Bestandsimmobilien niederschlagen würde.
Der erste Schritt in dieser Richtung war die erfolgreiche Bewerbung um die Aufnahme in das Förderprogramm „Aktive Kernbereiche“. Als Förderprogramm zur Stärkung der Unverwechselbarkeit von Kernbereichen hat es nach Bieberles Worten unter anderem die Lücke zwischen neuen WD-Projekten und privaten Akteuren in der Innenstadt geschlossen. Als Partner habe die Stadt die NH Projektstadt gewinnen können, die das verpflichtend vorgeschriebene Kernbereichsmanagement übernommen habe.
Direkt daran anknüpfend wurde das City-Konjunkturprogramm konzipiert, um private Investitionen in der Innenstadt genau dort zu fördern, wo positive Veränderungen im öffentlichen Raum die Attraktivität der bestehenden Geschäfts- und Einkaufslagen steigern und die Einkaufsatmosphäre spürbar aufwerten. „Das Programm darf durchaus als Appell an die privaten Eigentümer von Innenstadtimmobilien verstanden werden, sich ihrer Verantwortung um ein attraktives Ambiente bewusst zu werden: denn wir als Stadt können nur Rahmenbedingungen schaffen“, so Bieberle, und ergänzt, dass mit dem CKP ein Konzept entwickelt werden konnte, das es in dieser Form bisher noch nicht gab. Darüber hinaus trage die intensive Begleitung möglicher Interessenten und Einzelfall-Beratung sowie eine persönliche Ansprache und Betreuung zu dem großen Erfolg des Programms bei.
Bis zu 40.000 Euro können private Investoren pro Maßnahme erhalten. Gefördert werden maximal 40 Prozent der förderfähigen Kosten. Bis 2015 stehen im Rahmen dieses Programms insgesamt rund 1,35 Millionen Euro zur Unterstützung privater Investitionen zur Verfügung. Bisher sind davon bereits rund 400.000 Euro bewilligt worden, erläuterte der Stadtentwickler dem Besuch aus Wiesbaden.
Begleitend zum CKP wurde 2011 ein Fassadengestaltungsleitbild erstellt, das für Immobilieneigentümer, die in ihre Immobilie investieren möchten, als verbindlicher Orientierungsleitfaden wirkt, um langfristig ein städtebaulich aufeinander abgestimmtes Gesamtbild zu bekommen. Im Fassadengestaltungsleitbild werden beispielsweise Farbgebung, Art und Weise der Fassadenakzentuierung empfohlen. Zur Veranschaulichung wurden für einzelne Immobilien beispielhaft Möglichkeiten aufgezeigt, wie eine positive Veränderung erfolgen könnte.
Beim Stadtrundgang konnte sich die Gruppe, der sich neben Vertretern der NH Projektstadt auch Mitglieder des CKP-Ausschusses angeschlossen hatten, mit eigenen Augen von den vielversprechenden Entwicklungen überzeugen, die durch das CKP angestoßen wurden. Besonders erfreulich, so Dennis Hofmann, CKP-Projektleiter der NH Projektstadt, sei die Beobachtung, dass sich häufig die Nachbarschaft von sanierten und renovierten Immobilien „anstecken“ lasse und dann selbst auf das Kernbereichsmanagement mit konkreten Fragestellungen zukomme. Daneben habe es auch schon Fälle gegeben, in denen Hausbesitzer sanierungstechnisch aktiv wurden, ohne Fördermittel zu beantragen.
Eines der bisher außergewöhnlichsten CKP-Projekte war nach Worten von Hofmann das Varieté-Theater Tivoli, das im ehemaligen Kino Central eröffnet hat. Auf diese Weise wird die kulturelle Nutzung an zentraler Stelle fortgeführt und die Gefahr drohenden dauerhaften Leerstands beseitigt. Zudem wurde die historische Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert freigelegt und somit für die Öffentlichkeit (Besucher und Passanten) erlebbar gemacht.
In der Langstraße sei dagegen sehr gut zu beobachten, wie die Bereitschaft, in die eigene Immobilien zu investieren, mit jeder abgeschlossenen Fassadensanierung wachse. Gleichzeitig lasse sich ein weiterer positiver Effekt an einem der gerade abgeschlossenen Projekte leicht nachvollziehen. Nach einer Sanierung sei es sehr viel leichter, auch einen höherwertigeren Besatz für die Immobilie zu finden. So ist es nach Bieberles Worten mit Unterstützung der Hanau Marketing GmbH gelungen, für das Ladenlokal Langstraße 27/29, das von dem Offenbacher Investor Marc Schemm im vergangenen Herbst erworben und in der Zwischenzeit saniert worden ist, einen hochklassiger Herrenausstatter zu gewinnen. Ähnliche Entwicklungen seien auch an anderen Stellen zu beobachten.
Dass die Immobilie unter anderem dank der finanziellen Mittel aus dem CKP in neuem Glanz erstrahlt, erfährt auch die künftige Kundschaft des Ladens. Denn um einerseits auf die öffentliche Förderung der Sanierungsmaßnahme hinzuweisen und gleichzeitig für die Unterstützungsmöglichkeit zu werben, weisen entsprechende Plaketten an den sanierten Fassaden auf das City-Konjunkturprogramm hin. Der Besuch von Karin Jasch, die sich nach dem Rundgang sichtlich begeistert von den Erfolgen der Innenstadtentwicklung zeigte, lieferte den willkommenen Anlass, eine solche Hinweistafel an der Immobilie von Marc Schemm in der Langstraße 27/29 anzubringen. Hanau, erklärte die Referentin des Wirtschaftsministeriums zum Abschluss der Besichtigungstour, habe mit dem Stadtumbau einen beispielhaften Weg eingeschlagen und in beeindruckender Weise aufgezeigt, wie es gelingen könne, eine strategische Neuausrichtung für eine gesamte Innenstadt anzustoßen.
Pressekontakt: Stadt Hanau, Güzin Langner, Telefon 06181/295-929
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v.l.n.r: Bernhard Köppler (Architekt der NH), Karin Jasch, Marc Schemm und Martin Bieberle / Foto: Stadt Hanau
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Foto: Stadt Hanau
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