„Ausschuss-Beratung waren bereits zur Präsentation angekündigt“
OB erwartet positives Votum in der Januar-Sitzung der Stadtverordneten
„Mit einem solchen Ergebnis habe ich nicht gerechnet“, bedauert Oberbürgermeister Claus Kaminsky das ablehnende Votum des Ortsbeirats Innenstadt zum geplanten Denkmal für den jüdischen Künstler Moritz Daniel Oppenheim. Da sich die Kritik jedoch vornehmlich gegen einen in Wahrheit nicht vorhandenen Zeitdruck richte, gehe er davon aus, dass, wenn dieses Missverständnis ausgeräumt sei, auch der Ortsbeirat die herausragende Chance unterstützen werde, dem großen Sohn der Stadt die langverdiente Würdigung mit dieser markanten Skulptur zukommen zu lassen. Kaminsky ist sich sicher, dass auch die Stadtverordnetenversammlung Ende Januar zu einer positiven Entscheidung kommen wird.
„Wie auch der Berichterstattung in der lokalen Presse zu entnehmen ist, war eine Beratung im parlamentarischen Ausschuss schon im Vorfeld der Präsentation thematisiert worden.“ Leider habe er nicht selbst an der letzten Sitzung des Ortsbeirates teilnehmen können, so der OB weiter, denn „sonst hätte man diese Frage noch am gleichen Abend klären können“.
Bedauerlich sei darüber hinaus, dass der Ortsbeirat auch die angebotene Möglichkeit, die Sitzung im Schloss Philippsruhe mit einer Besichtigung der eingereichten Modelle zu verbinden, nicht wahrgenommen habe. Eine konkrete Auseinandersetzung mit den Entwürfen vor Ort hätte vielleicht doch zu einem anderen Ergebnis geführt. „Grundsätzlich gilt aber, was ich von Anfang gesagt habe: eine möglichst breite öffentliche Diskussion ist ausdrücklich erwünscht.“
Bisher hatte der von Robert Schad eingereichte Entwurf für das geplante Oppenheim-Denkmal für breite Zustimmung in allen beteiligten Gremien gesorgt. Der begleitend tätige Beirat, der an das langjährige Bürger-Engagement für ein solches Denkmal anknüpft und dem neben dem eigens 2006 gegründeten Förderkreis auch die Jüdische Gemeinde Hanau, die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Hanau e.V., der Hanauer Geschichtsverein 1844 e.V., der Arbeitskreis Christen und Juden der evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck sowie die Interessengemeinschaft Hanauer Altstadt e.V.. angehören, sprach sich mit großer Mehrheit für „Moritz und das tanzende Bild aus“. Die Jury, der neben Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Klaus Remer als Kulturbeauftragter der Stadt Hanau auch Dr. Eckehard Meise als Ehrenvorsitzender des Hanauer Geschichtsvereins, Prof. Claus Bury (Frankfurt/Hanau), Prof. Alfred Jacoby, Architekt und Vorstandsmitglied des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Hessen, sowie die Architektin Prof. Gesine Weinmiller (Berlin) angehören, entschied sogar einstimmig zugunsten des Schad-Entwurfs.
Der Magistrat sei dieser einstimmigen Jury-Empfehlung mit einem ebenfalls einstimmigen Votum gefolgt, so der OB und erinnert daran, dass sich der Entwurf mühelos unter den sechs, durchweg von international renommierten Bildhauerinnen und Bildhauern eingereichten Vorschlägen durchgesetzt hatte. „Mit dieser Skulptur gelingt es uns, dem Leben und Werk des in Hanau geborenen und international bekannten jüdischen Malers Moritz Daniel Oppenheim ein im Wortsinne unübersehbares Denkmal zu setzen“, hatte Kaminsky betont. Dabei übernehme es nicht nur eine ästhetische Funktion, sondern durch die enorme Präsenz des markant gestalteten Denkmals werde die Persönlichkeit des Künstlers nachhaltig in der Mitte des Hanauer Stadtlebens positioniert.
Eine positive Rückmeldung gab es auch von den Ururenkeln des Malers. Stéphane und Patricia Lewin aus Paris, beides Nachfahren von Moritz Daniel Oppenheim, haben in einem Schreiben an den OB signalisiert, dass sie sich freuen, dass „die Stadt Hanau ein Kunstwerk des bedeutenden Bildhauers Robert Schad im Gedenken an den Maler Moritz Daniel Oppenheim errichten wird“ und angekündigt, dass sie am Tag der Einweihung persönlich anwesend sein wollen.
Das Verfahren, die Entscheidung zur Gestaltung des Denkmals einer fachkundigen Jury zu überlassen, ist nach den Worten bereits im Grundsatz-Beschluss der Stadtverordneten im Januar 2012 getroffen worden, erinnert OB Kaminsky daran, dass die beschränkte Auslobung eines Wettbewerbs und die Berufung einer Jury seinerzeit im Parlament abgestimmt worden war. „Wir werden uns natürlich für das wichtigste Vorhaben des Gesamtprojektes Kunst und Kultur im öffentlichen Raum bis Ende Januar die Zeit nehmen, die eine öffentliche Diskussion braucht“, unterstreicht Hanaus OB, dass er sich auf eine lebendige Auseinandersetzung mit dem Kunstwerk als Spiegelbild einer aktiven und interessierten Bürgerschaft freut. Aber, so unterstrich er deutlich, er wehre sich mit Nachdruck gegen den Vorwurf der fehlender Diskussionsmöglichkeiten sowie die geradezu reflexhafte Frage „können wir uns das leisten?“ und eine Aufrechnung von wünschenswerten Projekten gegeneinander. „Wem es mit dem Wunsch nach einer unverwechselbaren Innenstadt, mit der Forderung nach identitätsstiftender Gestaltung ernst ist, dem muss klar sein, dass wir es uns nicht leisten können, auf ein Projekt wie das neue Oppenheim-Denkmal zu verzichten.“
Schließlich habe man mit der öffentlichen Präsentation im Schloss Philippsruhe, die jede und jeder Interessierte bis Ende Januar kostenfrei besuchen könne, eine wichtige Grundlage für einen breiten Diskurs geschaffen. „Ergänzend zur reinen Ausstellung bieten wir vom kommenden Wochenende an samstags und sonntags gebührenfreie Führungen an, die dem interessierten Publikum zusätzliche Erklärungen und Hintergrundinformationen liefern können.“ Die ersten Termine stehen mit Samstag, 7, Dezember, 15 Uhr, und Sonntag, 8. Dezember, 11 Uhr, bereits fest. Daneben gibt es im Internet auf der städtischen Homepage eine umfassende Darstellung und Dokumentation zum geplanten Oppenheim-Denkmal.
Pressekontakt: Stadt Hanau, Güzin Langner, Telefon 06181/295-929
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