(pen) Selbständig und selbstbestimmt bis ins hohe Alter zu leben und dabei im vertrauten Wohnumfeld zu verbleiben, ist der Wunsch vieler Menschen. Hierfür gilt es, Hilfe und Unterstützung im Alltäglichen zu geben. Innovative Ansätze für das Wohnen und Leben im Alter sind gefragt und eine demographiefeste Wohnungs- und Städtebaupolitik verlangt nach integrierten Wohn- und Quartierskonzepten. Mit dem Projekt „Miteinander und Füreinander leben im Stadtteil“ wollen das Netzwerk der Begegnungsstätten und der Ennepe-Ruhr-Kreis dazu ab sofort in Witten einen wichtigen Beitrag leisten. Möglich machen dies auch Fördermittel des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, um die sich die Kreisverwaltung erfolgreich beworben hatte.
Das Netzwerk, an dem sich aktuell zehn Sozialverbände, Kirchengemeinden, Initiativen und Wohnungsgenossenschaften beteiligen, gibt es seit mehr als zwei Jahren. „Die Begegnungsstätten sind für Witten von großer Bedeutung. Sie bieten den Bürgerinnen und Bürgern Räume und Raum, um sich zu engagieren und gemeinsam die Freizeit zu gestalten, bieten Geborgenheit und Informationen. Wer regelmäßig zu Gast ist, schätzt zudem die Möglichkeit, sich ein persönliches und soziales Netzwerk außerhalb der Familie aufbauen und pflegen zu können“, macht Ansprechpartnerin Barbara Helberg-Gödde, Mitarbeiterin der AWO EN, deutlich. Sie betont: „Unser Programm, vielfach von Ehrenamtlichen organisiert, richtet sich an alle Interessierten ab 50.“
Zunächst bis Ende 2016 wird die Teilhabe älterer Menschen am gesellschaftlichen Leben nun gezielter gefördert, dafür dient das Netzwerk mit seinen Partnern als Anlaufstelle. Im Fokus steht dabei ausdrücklich nicht umfangreiche Hilfeleistung. „Ziel des Programms ist es vielmehr, soziale Kontakte und Begegnungen älterer Menschen miteinander und mit anderen Generationen in der Nachbarschaft und im direkten Wohnumfeld zu stärken. Ihnen soll mit ganz praktisch geholfen werden, ihren Alltag zu bewältigen. So können sie bis ins hohe Alter in ihrem gewohnten Umfeld bleiben“, macht Elke Zeller, Projektkoordinatorin im Schwelmer Kreishaus, deutlich.
Erreicht werden sollen zum einen Ältere, die allein leben und deren Netzwerke sich verkleinern. Zum anderen diejenigen, die sich mit und für andere einsetzen möchten und damit Netzwerke aufbauen oder erhalten können. Als Beispiel nennt Helberg-Gödde das bereits laufende Angebot „Kino im Café“. Dies wird von Senioren für Senioren gemacht. Weitere sollen nun folgen. Denn: Die dabei entstehenden sozialen Kontakte wirken präventiv auf die Entwicklung von Hilfs- und Pflegebedürftigkeit und können bei beginnender Hilfsbedürftigkeit auch als Ressource genutzt werden.
Landrat Dr. Arnim Brux hatte das jetzt in Witten vorgestellte Angebot bereits bei der Einrichtung einer weiteren Anlaufstelle in Ennepetal als zukunftsweisend bewertet. „Wir müssen die Voraussetzungen schaffen, um dem deutlichen Plus in der Gruppe der über 80-jährigen erfolgreich begegnen zu können. Dabei sollten wir anstreben, dass auch Pflegebedürftige so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden bleiben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.“
Stichwort Förderprogramm „Anlaufstellen für ältere Menschen“
Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat bundesweit aus 500 Bewerbungen gut 300 Projekte ausgewählt, die das selbstständige Wohnen und Leben im Alter fördern. Angebote der Begegnung, Unterstützung und Betreuung, Projekte zur Qualifizierung von Ehrenamtlichen und Netzwerkbildung sowie altersgerechte Anpassungsmaßnahmen ergänzen so bereits bestehende Strukturen vor Ort.
Unter dem Leitbild der sorgenden Gemeinschaften soll ein möglichst flächendeckendes Netz von organisierter Hilfe und Unterstützung im Wohnumfeld aufgebaut und somit die Demografiestrategie der Bundesregierung mit Leben gefüllt werden. Der Bund stellt dafür in den nächsten drei Jahren rund sieben Millionen Euro bereit. Die Anlaufstellen im Ennepe-Ruhr-Kreis, neben Ennepetal gibt es eine zweite in Witten, werden bis Ende 2016 mit 20.000 Euro gefördert. Die Lücke zu den für die Gesamtfinanzierung notwendigen 35.000 Euro trägt der Kreis.
Stichwort Netzwerk der Begegnungsstätten Witten-Mitte
Teilnehmer sind Sozialverband Deutschland NRW - Kreisverband Witten, Kreuzgemeinde Witten, AWO Witten-Mitte, Nachbarschaftstreff Café Schelle, Wohnungsgenossenschaft Witten-Mitte, Seniorenvertretung Witten, WiSeL Netzwerk, Ev. Freikirchliche Gemeinde im Oberdorf, Ev. Johannisgemeinde und der AWO Stadtverband